Impulsreferat auf der Hauptversammlung des Landeselternverbandes am 16.03.19 in Dortmund

Was benötigen Schulen in Zukunft aufgrund steigender Schülerzahlen, anhaltenden Lehrkräftemangels und veränderter heterogener Schülerschaft, damit eine individuelle und chancengerechtere Bildung aller Kinder auch zukünftig gesichert bleibt und Schulen gestärkt werden?

Zu dieser Frage hielt Julia Raddatz (Mitglied des erweiterten Vorstandes) am 16. März bei der Hauptversammlung des Landeselternverbandes in Dortmund ein Impulsreferat. Bezugnehmend auf eine aktuelle Umfrage (Forsa, 1000 Lehrkräfte) bezüglich der größten Herausforderungen an Schulen, richtete sie den Fokus zunächst auf die Faktoren Lehrermangel, Arbeitsbelastung sowie Zeitmangel, welche mit 44% von knapp der Hälfte der Befragten angegeben wurden. Eine mögliche Lösungsidee könnte eine veränderte Definition der Rolle der Lehrkraft sein: diese könnte einerseits als Fachexperte ausschließlich Unterrichtsreihen planen und andererseits als Experte für das soziale Lernen ausschließlich die Kinder bestmöglich in der Klasse unterstützen.

Als ein Beispiel für gemeinsam genutztes Unterrichtsmaterial kann der Bildungsserver in Baden-Württemberg genannt werden. Den Herausforderungen Inklusion und Integration (38%) könnte man begegnen, indem man die Zusammenarbeit der Fachexperten in der Schule strukturiert gestaltet. Dabei müssen sowohl die Stärken der Fachpersonen, als auch die der Schülerinnen und Schüler genutzt werden. Dabei wird deutlich, dass das Deutsche Schulsystem an einigen Stellen überholt scheint: richtet man den Blick zum Beispiel nach Kanada, so kann man erkennen, dass nur das ko-konstruktive Einbeziehen der Wünsche und Bedürfnisse der SuS zu einem höheren Wohlbefinden dieser führen kann. Um dies zu gewährleisten, müssten zum Beispiel Konzepte wie das der Talentschule flächendeckend umgesetzt werden. Abschließend wurden die zu großen Klassen, die Digitalisierung und in diesem Zusammenhang auch die Ausstattung der Schulen (33%) in den Fokus genommen. Eine Lösung könnte hier in der Abschaffung der großen Lerngruppen bestehen, wie es auch schon in den skandinavischen Ländern der Fall ist. Dadurch wird individuelle Förderung möglich, welche durch den Einsatz digitaler Medien (Stichwort flipped-classroom) zu Entlastung aller Beteiligten innerhalb der Schulzeit führt. Die Referentin beendete ihrem Vortrag mit dem Fazit, dass man endlich aufhören solle, vor der Veränderung der Lehrerausbildung und des Schulsystems Angst zu haben, denn: Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer (Seneca).

Im Anschluss stellten Herr Peine von Kinderlachen e.V., Herr Grünwald von der Landes Schülervertretung sowie Herr Foltin vom Landesverband der Schulsozialarbeit ebenfalls ihre Impulse vor. Die gesammelten Ideen wurden diskutiert und in einer Schreibwerkstatt festgehalten. An dieser Ideenwerkstatt wirkten ebenfalls VertreterInnen der Kommunalverbände, des Ministeriums, der Bezirksvertretung, der GEW und des Landtags als weitere Experten mit.

Julia Raddatz